Ohne Roadbook gäbe es keine Rallye Dakar. Keine Navigation, keine Orientierung, kein Weiterkommen. Das Roadbook ist das heiligste Dokument jeder Marathonrallye – ein präzises Navigationssystem, das Fahrer und Co-Piloten durch hunderte Kilometer Wüste, Dünen, Felsen und unmarkierte Landschaften führt. Aber wie entsteht dieses Dokument eigentlich? Wer schreibt es? Und wie schafft man es, ein komplettes Rallye-Universum zu kartografieren, das weder Straßen noch Wegweiser kennt?

 

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Dieser Artikel taucht tief ein in die Entstehung eines Roadbooks – vom ersten Spähflug bis zur finalen Ausgabe am Abend vor der Etappe.

 

 

Was ist ein Roadbook eigentlich?

 

Das Roadbook ist ein Navigationstagebuch, das jede Dakar-Etappe beschreibt.

Es enthält:

 

Kilometerangaben

 

Gefahrenstufen (!!!, !!, !)

 

Richtungs-Piktogramme

 

Kontrollpunkte

 

Geschwindigkeitsbegrenzungen

 

Dünenkämme, Canyons, Fesh-Fesh-Zonen

 

Navigationspunkte via GPS-Waypoints

 

 

Es ist keine Karte, sondern eine Anleitung, der man blind vertrauen muss. Fehler bedeuten: Verirren, Zeitverlust oder Unfall.

 

 

Schritt 1: Die Route wird entworfen

 

Jedes Jahr beginnt der Prozess Monate vorher:

Ein kleines Team der ASO (Amaury Sport Organisation) entwirft zunächst am Computer eine Grobroute.

 

Die Vorgaben:

 

maximaler Motorsport-Herausforderungsfaktor

 

sichere Verbindung zwischen Biwaks

 

Mischung aus Dünen, Sand, Navigation, Technik

 

politische & sicherheitsrelevante Faktoren

 

 

Erst wenn die Grundroute steht, beginnt die echte Arbeit.

 

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Schritt 2: Die „Scouts“ gehen ins Gelände

 

Spezielle Dakar-Scouts – meist ehemalige Fahrer – fahren die geplante Strecke ab. Oft mehrere Tage pro Abschnitt.

Sie nutzen:

 

Offroad-Fahrzeuge

 

GPS-Geräte

 

Höhenmesser

 

Drohnen (in Saudi-Arabien häufig)

 

Und: Sie suchen nach perfekten Herausforderungen.

 

 

Dabei achten sie auf:

 

Befahrbarkeit

 

Dünenformen

 

Gefahrenstellen

 

Orientierungspunkte

 

Wetter-/Sandverhältnisse

 

 

Wenn etwas unpassierbar ist, wird die Route weiter im Gelände verschoben. Die endgültige Streckenführung entsteht oft erst nach mehreren Aufklärungsfahrten.

 

Beifahrerin Co-Pilotin Co-Pilot Beifahrer Rallye Aufschrieb Zeiten Karte Roadbook Gassner Motorsport Rallye Fahrer Recaro

 

Schritt 3: Die erste Roadbook-Version entsteht

 

Nach der Geländeerkundung erstellen die Scouts die Rohform des Roadbooks:

 

jede Richtungsänderung

 

jede Gefahrenstelle

 

jede Kuppe

 

jedes Risiko

 

jede Kompassrichtung

 

exakte Entfernung zwischen den Punkten

 

 

Jede Information wird in sogenannten Tulpen dargestellt – grafische Mini-Skizzen, die zeigen, was im Gelände kommt.

 

Beispiel:

 

„8,3 km → leichte Rechts, dann Dünenkante“

 

„14,7 km → !!! Drop 2 m“

 

„22 km → Kompasskurs 246° über 3 km, off piste“

 

 

 

Schritt 4: Die Spezialteams testen das Roadbook

 

Hier wird’s hochgeheim.

 

Ein Team aus unabhängigen Dakar-Profis fährt die Etappen Monate später erneut ab – allerdings ohne die Scouts, damit eine neutrale Bewertung erfolgt.

 

Sie prüfen:

 

Stimmt der Kilometerzähler?

 

Ist die Gefahrenkennzeichnung korrekt?

 

Stimmen die Piktogramme?

 

Müssen Hinweise ergänzt werden?

 

Sind Waypoints sinnvoll gesetzt?

 

 

Fehler werden direkt im Gelände korrigiert – bis die Perfektion stimmt.

 

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Schritt 5: Die Sicherheitsüberprüfung

 

Parallel führt die Dakar-Leitung eine Sicherheitsprüfung durch:

 

medizinische Zufahrtswege

 

Hubschrauber-Landezonen

 

Risikoabschätzung bei Dünenabbrüchen

 

Notfallszenarien

 

Wetterdaten

 

 

Falls etwas nicht passt, muss das Roadbook angepasst oder der Abschnitt gestrichen werden.

 

 

 

Schritt 6: Das Roadbook wird verschlüsselt

 

Die Dakar schützt ihre Daten streng, damit niemand vorher trainieren kann.

 

Daher:

 

Roadbooks werden erst am Vorabend der Etappe ausgegeben

 

erst seit 2020 komplett digital (Tablets)

 

keine GPS-Daten sichtbar, sondern verschlüsselte Waypoints

 

Fahrer dürfen NICHT vorher hineinschauen während des Tages

 

 

Teams können nichts vorbereiten. Was kommt, kommt.

 

Beifahrerin Co-Pilotin Co-Pilot Beifahrer Rallye Aufschrieb Zeiten Karte Roadbook Rallye Fahrer Sparco

 

Schritt 7: Die Fahrer arbeiten das Roadbook auf

 

Abends im Biwak beginnt die Feinarbeit:

 

Markierungen setzen

 

gefährliche Stellen farblich hervorheben

 

Notizen anfügen

 

Kilometrierung prüfen

 

 

Vor allem Motorräder nutzen Leuchtmarkierungen in Farben:

 

Gelb für Navigation

 

Orange für Sprünge

 

Rot für harte Gefahren

 

 

Co-Piloten in Autos gehen die komplette Etappe oft mehrfach durch, bis alles sitzt.

 

Mitsubishi Lancer EVO Beppo Harrach Di-Tech Rallye

 

Warum das Roadbook so entscheidend ist

 

Ein gutes Roadbook entscheidet über:

 

Sicherheit

 

Zeit

 

Orientierung

 

Geschwindigkeit

 

Materialschonung

 

 

Selbst Top-Athleten wie Stéphane Peterhansel oder Nasser Al-Attiyah sagen:

 

„90 % des Erfolges bei der Dakar sind Navigation.“

 

Skoda BRR Baumschlager Rallye

 

Beispiele aus echten Dakar-Roadbooks

 

Hier einige typische Einträge:

 

Beispiel 1: Dünenkuppe

 

12,3 km – !! Drop – Dünenkante rechts anfahren, 20 m Fallhöhe

 

Beispiel 2: Off-Piste Navigation

 

41,8 km – CAP 312° über 4,2 km

Keine sichtbare Spur – Navigation nur über Kompass!

 

Beispiel 3: Canyon-Passage

 

88,1 km – !!! Engstelle – Steine, Gefahr für Reifen

 

Diese Klarheit rettet Leben.

 

 

Was ein Roadbook NICHT enthält

 

keine Geschwindigkeiten

 

keine Navigationsabkürzungen

 

kein GPS der Route

 

keine Geheimtipps

 

 

Es ist neutral – jeder Fahrer interpretiert es individuell.

 

 

Das Roadbook ist der unsichtbare Star der Dakar

 

Die Dakar wäre ohne Roadbook ein unmögliches Abenteuer.

Es ist Landkarte, Navigationssystem, Lebensversicherung und sportliches Regelwerk in einem. Jede Etappe erzählt ihre eigene Geschichte – und jede Roadbook-Zeile ist ein weiterer Schritt ins Unbekannte.

 

 

Mitsubishi Lancer EVO Agrana Grössing Rallye

 

 

 

Wie entsteht das Dakar-Roadbook? | Die geheime Arbeit hinter der härtesten Rallye der Welt

 

Wie entsteht das Roadbook der Rallye Dakar? Von der Routenplanung über die Scouts bis zur finalen Ausgabe – alle Schritte, erklärt mit Beispielen und Insiderwissen.

 

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